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Prozessoptimierung als Führungsaufgabe wird in vielen Unternehmen noch immer unterschätzt.
Dabei entscheiden Führungskräfte mit jeder Struktur, jedem Prozess und jeder Regel darüber, wie effektiv Menschen arbeiten können.

Viele Diskussionen drehen sich um Motivation, Eigenverantwortung oder Leistungsbereitschaft.
Was dabei oft übersehen wird: Mitarbeiter verhalten sich nicht zufällig – sie reagieren auf das System, das man ihnen baut.

Oder anders gesagt:
Dein Unternehmen ist wie eine Autobahn.
Und du als Führungskraft entscheidest über Leitplanken, Spuren und Geschwindigkeit.

Stell dir dein Unternehmen als Autobahn vor.

  • Deine Mitarbeiter sind die Fahrer.
  • Die Prozesse sind die Straße.
  • Und du als Führungskraft bestimmst:
    • die Leitplanken,
    • die Anzahl der Spuren,
    • und die zulässige Geschwindigkeit.

Niemand würde auf die Idee kommen, Autofahrer für Staus verantwortlich zu machen, wenn:

  • Spuren fehlen,
  • Baustellen schlecht organisiert sind,
  • oder Leitplanken mitten auf der Fahrbahn stehen.

In Unternehmen passiert genau das – jeden Tag.


Leitplanken sind kein Zeichen von Misstrauen.
Sie sind ein Zeichen von Verantwortung.

In der Praxis sehe ich häufig zwei Extreme:

  • Entweder gibt es zu viele Regeln, die Bewegung ersticken.
  • Oder es gibt gar keine klaren Leitplanken, was zu Chaos führt.

Im Lean-Management sind Leitplanken nichts anderes als klare Standards:

  • Wer entscheidet was?
  • Wie wird gearbeitet?
  • Was ist akzeptabel – und was nicht?

Ohne diese Klarheit fahren Mitarbeiter defensiv, langsam oder gar nicht.
Nicht aus Unwillen, sondern aus Selbstschutz.

Gute Prozesse begrenzen nicht – sie kanalisieren und ermöglichen Geschwindigkeit.


Eine einspurige Autobahn mit hohem Verkehrsaufkommen produziert Stau.
Ganz egal, wie gewissenhaft die Fahrer sind.

Übertragen auf Unternehmen heißt das:

  • Zu viele Aufgaben auf zu wenige Schultern
  • Unklare Rollen
  • Ständige Unterbrechungen
  • Parallele Prioritäten

Das Ergebnis ist vorhersehbar:
Überlastung, Reibungsverluste und operative Hektik.

Prozessoptimierung bedeutet hier:

  • Arbeit sinnvoll zu verteilen
  • Engpässe zu erkennen
  • klare Verantwortlichkeiten zu schaffen

Mehr Spuren heißt nicht mehr Personal.
Es heißt bessere Struktur.


Ein oft unterschätzter Punkt:
Die Geschwindigkeit auf der Autobahn bestimmt nicht der Fahrer – sondern der Betreiber.

In Unternehmen ist das nicht anders.

Wenn alles dringend ist, ist nichts mehr wichtig.
Wenn Entscheidungen dauern, fahren alle auf Sicht.
Wenn Fehler sanktioniert werden, bremst jeder vorsorglich.

Führungskräfte setzen das Tempo durch:

  • Entscheidungswege
  • Fehlertoleranz
  • Priorisierung
  • Reaktionsgeschwindigkeit

Lean heißt nicht, immer schneller zu werden.
Lean heißt, das richtige Tempo für den Prozess zu wählen.


Wenn Mitarbeiter Umwege gehen, Regeln umgehen oder improvisieren, ist das selten Absicht.

Meistens ist es ein Hinweis auf:

  • unpraktische Prozesse
  • widersprüchliche Ziele
  • fehlende Entscheidungsfreiheit

Das sind keine Personalprobleme.
Das sind Systemprobleme.

Lean-Management setzt genau hier an:
Nicht den Fahrer optimieren – sondern die Strecke.


Motivation entsteht nicht durch Appelle.
Eigenverantwortung nicht durch Plakate.
Leistung nicht durch Druck.

Sie entsteht, wenn Menschen auf einer Autobahn fahren, die:

  • klar strukturiert ist
  • Sicherheit bietet
  • Fortschritt ermöglicht

Die zentrale Führungsfrage lautet daher nicht:

„Warum fahren meine Mitarbeiter nicht besser?“

Sondern:

„Welche Autobahn habe ich ihnen gebaut?“